Donnerstag, 10. Juni 2010

Buchstaben lernen: Vorschulbildung und Fernsehen - Geht das zusammen?

Um es gleich vorweg zu sagen: Vieles, was uns heute als sogenanntes »Kinderprogramm« im Fernsehen verkauft wird, ist schlichtweg eine Katastrophe. Lieblos gezeichnete Helden mit Laserkanonen und dümmliche Kampfschildkröten prasseln auf die Kleinen ein und vermitteln ihnen das, was im Leben wirklich wichtig ist: Ein cooler Macker zu sein. Oder (für Mädchen): sich in einen coolen Macker zu verlieben. Kleinkinder diesem Zeug auszusetzen, ist mit Sicherheit nicht förderlich für die allgemeine, sowie für die Sprachentwicklung. Das wissen wir alle.

Doch mir ist klar: das sagt sich sehr leicht. Was, wenn die Kinder, möglicherweise durch Kindergarten- oder Grundschulfreunde angeregt, darauf bestehen, fernsehen zu wollen? Die Medien sind ein Fakt, der zur modernen Welt untrennbar dazugehört. Und welche Eltern möchten schon ständig nein sagen und als Spaßverderber auftreten?
Ein absolutes Fernsehverbot kann also auch nicht die Lösung sein, will man sein Kind nicht zum kompletten Außenseiter machen. Also gilt es, einen Mittelweg zu finden. Hierzu ist es wichtig, sich zuerst einmal klarzumachen, in wie weit sich die kindliche Wahrnehmung von der Erwachsener unterscheidet.
  • Gerade jüngere Kinder sind meist noch nicht in der Lage, einer längeren Sendung mit ungeteilter Aufmerksamkeit zu folgen. Also fühlen sie sich durch das Fernsehen unter Druck gesetzt, da die Sendung ja nicht unterbrochen werden kann.
  • Kleine Kinder folgen weniger dem logischen Aufbau einer Geschichte, sondern nehmen die bunten Bilder wahr, wie sie eigentlich Blumen am Wegesrand wahrnehmen sollten, wenn sie so etwas in ihrer Lebensumwelt noch finden könnten.

Videos sind eine Lösung
Ein paar schöne Kindervideos bieten gegenüber dem reinen Fernsehen zwei entscheidende Vorteile:
  • Der Film kann unterbrochen werden, wenn das Kind durch seine Länge überfordert ist. 
  • Er kann mehrmals angesehen werden. Dadurch kann das Kind den Inhalt besser verarbeiten.

Was hat dies nun alles mit Buchstaben lernen zu tun?
Videos, in der richtigen Weise verarbeitet, können enorm zur spielerisch betriebenen Bildung des Kindes beitragen. In der richtigen Weise, das bedeutet:
  • Nicht zu viele Videos in zu kurzer Zeit.
  • Besser: Ein paar Lieblingsvideos öfter ansehen. Ruhig auch unterbrechen. Über den Film reden, (setzt die Anwesenheit eines Erwachsenen voraus!).
  • Den Film »künstlerisch« verarbeiten: Regen Sie das Kind dazu an, Bilder aus dem Film nachzumalen. Die Geschichte nachzuerzählen. Für Kinder, die bereits ein wenig schreiben können: in schriftlicher Form. Vielleicht haben Sie auch noch eine alte Schreibmaschine? Kinder lieben es, damit zu spielen. Und manchmal kommen erstaunliche Ergebnisse dabei heraus, wie zum Beispiel die Nacherzählung eines Lieblingsvideos, wie diese hier, von einer gut Vierjährigen auf Mamas Schreibmaschine getippt.
Wie unschwer zu erraten ist, handelte es sich bei diesem Video um den »Glöckner von Notre Dame« (Walt Disney-Fassung). Die Walt-Disney-Zeichentrickfilme sind eine gute Option, denn die meisten von ihnen sind sehr liebevoll gestaltet, bieten dennoch ein wenig Action und enthalten stets eine positive Grundaussage. Die sehr amerikanische Neigung zum zwingenden Happy-End ist in meinen Augen ein kleines, aber verkraftbares Manko.

Fazit: Buchstaben lernen, das ist nicht nur durch die zwanghafte Beschäftigung mit »Lehrmaterial« möglich. Sogar die Beschäftigung mit (hochwertigen) Videos regt Kinder dazu an, da eine einmal richtig verdaute Geschichte auch wieder erzählt werden möchte. Und zwar schriftlich. Jüngere Kinder können auch mit dem Nachzeichnen der Figuren (aus dem Gedächtnis!) beginnen, und versuchen, die Namen der Figuren mit auf die Bilder zu schreiben.

Hierbei sollten Erwachsene nicht zu sehr helfen und vor allem nicht kritisierend eingreifen. Der Schreibfehler eines Vierjährigen ist kein Beinbruch. Loben Sie vielmehr das Erreichte. Erwähnen Sie Fehler nicht, sondern nehmen Sie ganz beiläufig ein Blatt Papier. Zeichnen Sie die Figur ebenfalls, (was zu einem Heiterkeitsausbruch Ihres Kindes führen wird, auf den Sie gefasst sein sollten!), und schreiben Sie ohne Kommentar den Namen der Figur in der richtigen Schreibweise daneben.






 
 
 
 

 
 
 
 
 

 
 
©Bilder: Cosima Prem, Autorin des spannenden Kinderkrimis Vier Freundinnen auf Schatzsuche

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